Mit dem Hund in den Urlaub

Für viele Menschen beginnt jetzt wieder die schönste Zeit des Jahres: der Urlaub steht an.
Viele Hundebesitzer stellen sich die Frage, ob der Hund mit in den Urlaub soll, oder ob es für den Vierbeiner besser ist, wenn er daheim von liebevollen Menschen betreut wird. Um so wichtiger ist es zu wissen, welche Bedingungen man erfüllen muss, damit der vierbeinige Reisende unbeschadet und ohne Stress mitreisen kann.

Wichtig bei Reisen mit dem Auto:

  • Hunde sollten bei Fahrten im Auto gesichert sein (Transportbox oder Sicherheitsgurt)

  • Die letzte Mahlzeit sollte 12 Stunden vor der Abreise gegeben werden, Wasser sollte immer zur Verfügung stehen.

  • Hunde, denen im Auto regelmäßig schlecht wird, sollten ein Medikament gegen Reiseübelkeit bekommen, das der Tierarzt verordnet hat.

  • Im Sommer Hunde grundsätzlich nicht im Auto zurücklassen, da im Auto keine ausreichende Luftzirkulation herrscht und die Tiere sehr schnell einen Kollaps erleiden können (auch wenn das Fenster einen Spalt weit offen ist!!!)

  • Regelmäßige Pausen einlegen, das heißt alle zwei Stunden Gassi gehen und den Hund trinken lassen!

  • Müssen auf der Fahrt größere Höhenunterschiede überwunden werden, (z.B. in den Alpen) denken sie an den entstehenden Ohrendruck und bieten sie Ihrem Hund etwas zum "Kauen" an.

  • Die Fenster sollten während der Fahrt geschlossen sein, da Hunde durch die Zugluft oft an Bindehautentzündung erkranken.

Reisen ins Ausland:

Seit dem 01.10.2004 gilt für alle EU-Länder die EU-Verordnung 998/2003 über die Ein- und Ausfuhr von Heimtieren, wobei es für einige Länder noch zusätzlich zu beachtende Sonderregelungen gibt.
Zu den EU Ländern gehören Belgien, Bulgarien, Dänemark, Deutschland, Estland, Finnland, Frankreich, Griechenland, Großbritannien, Irland, Italien, Lettland, Litauen, Luxemburg, Malta, die Niederlande, Österreich, Polen, Portugal, Rumänien, Schweden, Slowakische Republik, Slowenien, Spanien, Tschechien, Ungarn und Zypern.
Alle anderen Länder, wie zum Beispiel Kroatien und die Schweiz gelten als Drittländer und unterliegen anderen Bestimmungen, bitte informieren sie sich rechtzeitig über die geltenden Einreisebestimmungen!

Bei allen Reisen muss der EU-Heimtierpass mitgeführt werden, der von einem Tierarzt ausgestellt worden sein muss und aus dem hervorgehen muss, dass eine im Einklang mit dem Impfstoffhersteller gültige Tollwutimpfung vorhanden ist. Außerdem müssen Hunde zur eindeutigen Identifizierung einen Mikrochip implantiert bekommen haben, die Tätowierung galt nur noch übergangsweise bis zum 02.07.2011. Die EU-Verordnung gilt nicht für Tiere, die Gegenstand einer Verkaufs- oder einer Eigentumsübertragung sind! Bitte beachten Sie auch, dass in einigen Urlaubsländern Leinen- und/oder Maulkorbpflicht besteht oder zumindest ein Maulkorb mitgeführt werden muss.

Sonderregelungen:

  • Finnland:
    Hunde unter 3 Monaten dürfen nicht einreisen, die Tierhalter müssen eine tierärztliche Bescheinigung über eine Behandlung mit Praziquantel gegen Bandwürmer mitführen, die nicht älter als 30 Tage sein darf. Dabei müssen Name und Dosierung des Präparates sowie die Form der Verabreichung dokumentiert sein.

  • Großbritannien, Malta, Nordirland, Irland:
    Es gilt das Pet Travel Scheme 2012 (PETS). Dafür müssen Hunde in dieser Reihenfolge:
    1. einen Mikrochip erhalten haben
    2. eine Tollwutimpfung erhalten haben, die mindetens 21 Tage alt ist und regelmäßig aufgefrischt wurde
    3. eine Behandlung gegen Bandwürmer erhalten haben. Die Behandlung muss von einem Tierarzt nicht weniger als 24 Stunden und nicht mehr als 120 Stunden (d.h. 1 - 5 Tage) vor der geplanten Ankunftszeit im Vereinigten Königreich durchgeführt werden. Eine Behandlung gegen Zecken ist nicht vorgeschrieben.

    4. Die Beförderung muss durch ein zugelassenes Unternehmen auf einer zugelassenen Route erfolgen.

    Die Durchführung des Tollwut- Antikörpertests entfällt! Einzelheiten sollte man auf den Internetseiten der Britischen Botschaft in Deutschland nachlesen oder unter Telefon 0044 / 8702411710 erfragen.

  • Portugal:
    Hunde dürfen nicht in Restaurants, an Strände oder in Busse. Es herrscht Leinen- und Maulkorbpflicht!

  • Schweden und Norwegen:
    Zusätzlich zu oben genannten Regelungen gilt:

    1. Hunde müssen gegen Bandwurmbefall (Echinococcus multilocularis) mit einem anerkannten Präparat, zum Beispiel mit Praziquantel oder Epsiprantel, behandelt werden. Die Behandlung muss frühestens 10 Tage vor der Einreise in Norwegen und in dem Land erfolgen, aus dem das Tier abreist. Die Behandlung muss innerhalb der ersten 7 Tage nach der Einreise in Norwegen wiederholt werden. Beide Behandlungen müssen im Heimtierpass bescheinigt werden.

    2. Beim Passieren der Grenze müssen dem Zoll während der Öffnungszeiten das Tier und die notwendigen Dokumente zur Kontrolle vorgelegt werden.

Reisekrankheiten beim Hund

Vor allem Hunde, die von ihren Besitzern in die Mittelmeerländer oder in die osteuropäischen Länder mitgenommen werden, können an den dort beheimateten Krankheiten erkranken. Bereits in den südlichen Alpen (wie bspw. am Gardasee) existieren zahlreiche Hundekrankheiten, die es bislang in Deutschland noch nicht gibt, oder die nur in regional sehr begrenzten Gebieten vorkommen. Hierzu zählen vor allem Babesiose, Leishmaniose, Ehrlichiose, Dirofilariose und die Hepatozoonose. Die Erreger dieser Krankheiten werden alle durch Stechmücken oder Zecken übertragen. Zur Übertragung genügt oft ein einziger Stich oder Biss!

  • Babesiose: Bei der Babesiose, der sogenannten Hundemalaria, werden die roten Blutkörperchen des Hundes durch mikroskopisch kleine Parasiten, die Babesien, zerstört. Die Folge sind Fieber, Anämie und Gelbsucht. Unbehandelt kann der Hund letztlich an Blutarmut sterben. Babesiose wird durch Zecken übertragen, die sich mittlerweile bis ins nördliche Baden-Würtemberg nach Norden verbreitet haben.

  • Ehrlichiose: Die Ehrlichiose wird ebenfalls durch Zecken übertragen. Ihre Erreger sind Bakterien, die mit dem Biss der Zecke ins Blut gelangen und sich im Knochenmark vermehren. Sie verhindern die Bildung der Thrombozyten, das heißt derjenigen Zellen, die für die Blutgerinnung verantwortlich sind und führen auf diesem Wege zu Blutungsneigung.

  • Leishmaniose: Im Gegensatz zu Babesiose und Ehrlichiose wird die Leishmaniose nicht durch Zecken, sondern durch den Stich der Schmetterlingsmücke übertragen. Schmetterlingsmücken sind dämmerungs- und nachtaktiv, besonders gefährlich ist die Zeit von Mai bis September. Leishmaniose ist eine chronisch verlaufende Krankheit, die schwer therapierbar und nicht heilbar ist. Auch der Mensch kann betroffen sein, wenn er gestochen wird und sollte deshalb vorsorgen. Betroffene Hunde zeigen vielfältige Symptome, magern ab, haben Hautveränderungen und stark vergrößerte Lymphknoten.

  • Dirofilariose: Die Dirofilariose oder Herzwurmkrankheit wird ebenfalls durch Mücken (Culiziden) übertragen. Beim Stich der Mücke gelangen die infektiösen Larven des Wurmes in den Körper und wandern durch das Gewebe bis in die großen Gefäße von Lunge und Herz, wo sie sich zu Würmern von bis zu 20 cm Länge entwickeln. Die Krankheit geht mit Husten, Apathie und Atemnot einher und kann unbehandelt auch zum Tod führen.

  • Hepatozoonose: Die fünfte Reisekrankheit, die Hepatozoonose ist eine Parasitose die ebenfalls durch Zecken übertragen wird. Die Übertragung erfolgt aber nur dann, wenn der Hund eine infizierte Zecke frisst und verdaut. Hepatozoonose ist eine vergleichsweise seltene Krankheit und geht mit starker Abmagerung, Muskelatrophie und Knochenveränderungen einher und ist schwer therapierbar.

Den besten Schutz gegen alle oben genannten Krankheiten bieten nach heutigem Wissenstand Stoffe mit einer Zweifachwirkung gegen Zecken- und Mückenstiche. Zum einen müssen die Stoffe eine stark abschreckende (repellierende) Wirkung aufweisen, zum anderen auch eine gute abtötende Wirkung. Am häufigsten kommen diese Präparate als Spot-on-Produkte auf den Markt, die an einer oder zwei Stellen auf die Haut des Hundes aufgetragen werden. Bitte nicht mit den Händen verreiben!!! Als Alternative kann auch ein Halsband vom Tierarzt verwendet werden. Wichtig ist, dass in beiden Fällen der Stich oder der Biss in der Regel verhindert wird und die Übertragung des Erregers unterbleibt. Zecken im Fell des Hundes werden zur sofortigen Flucht veranlasst. Gelegentliches Schwimmen, Baden oder Regen vermindert die Wirksamkeit nicht, da die Mittel fett- aber nicht wasserlöslich sind und sich über die Fettschicht der Haut verteilen. Zusätzlich solle man nach jedem Spaziergang das Fell des Hundes absuchen. Mittel auf der Basis von ätherischen Ölen wie zum Beispiel Lavendel, Rosmarin und Knoblauch sind unwirksam und für die Prophylaxe nicht geeignet, oftmals verursachen sie außerdem Hautreizungen oder Allergien. Eine Impfung gegen Borreliose ist zur Verhinderung der Reisekrankheiten ebenfalls ungeeignet, da sie nur vor Borrelien schützt und nicht vor Zecken. Es empfiehlt sich also vor einer Urlaubsreise den Rat eines Tierarztes einzuholen.

Gute Reise und eine schöne Sommerzeit!